Salzburg Netz GmbH

Vom klassischen Netzbetreiber zum digitalen Plattform-Provider

Smart Grids Modellgemeinde Köstendorf

In Köstendorf schreibt die Salzburg Netz GmbH (100 % Tochter der Salzburg AG) ein kleines Kapitel Energiegeschichte. Dort erprobt das Unternehmen, wie Smart Grids dazu beitragen können, eine Vielzahl dezentraler Einspeiser von erneuerbarer Energie und E-Autos effizient ins Stromnetz zu integrieren, um damit CO2-Emmissionen und Kosten zu sparen. Versorgungs-sicherheit hat dabei höchste Priorität.

Das Zusammenwirken der Smart Grid-Komponenten (wie IKT-Infrastruktur, regelbare Ladestationen, Wechselrichter, regelbarer Ortsnetztrafo, Smart Meter) balanciert Angebot und Nachfrage so aus, dass in einem modernen, dezentralen Energienetz ein reibungsloser und sicherer Betrieb für die Kunden gewährleistet ist.

Die Salzburger Projekte haben gezeigt, dass Smart Grids technisch funktionieren und die Einbindung erneuerbarer Energie ins Stromnetz durch Smart Grids Technologien um bis zu 50% günstiger ist als der konventionelle Netzausbau. Somit tragen intelligente Netze wesentlich zur Leistbarkeit der Energiewende bei.

Neue Trends stellen Netzbetreiber vor neue Herausforderungen

Zahlreiche technologische Veränderungen haben die Energiewende bereits auf einen guten Weg gebracht. Jetzt kommt noch die IKT-Revolution hinzu. Sie hat die Kraft, das Energiesystem der Zukunft entscheidend zu verändern. Diese Digitalisierung führt zum Umbau im Energiebereich, der Energieversorger wird zum Information Utility, der Netzbetreiber zum Digital Grid Operator.

Am Beispiel Köstendorf lässt sich zeigen, wo die großen künftigen Herausforderungen für die Energiewende, den Umstieg auf erneuerbarer Energie, liegen. „Die Aufgaben der Netzbetreiber werden sich stark ändern. Sie werden vom reinen „Transporteur“ zum Systemmanager, es geht um das koordinierte Zusammenspiel von unterschiedlichen Energieformen, neuen Produkten und Geschäftsmodellen. Damit all das funktioniert, werden die bestehenden Netze um Informations- und Kommunikationstechnologien erweitert. Einfach gesagt bedeutet das, dass nicht nur Energie, sondern auch Daten ausgetauscht werden.

Die bevorstehende Energiewende ist nicht bloß der Ersatz fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien, sondern bedeutet einen richtigen Systemwechsel: Künftig geht es darum, alle Teilnehmer im Energiesystem (wie z. B. Erzeuger, Kunden und Speicher) intelligent zu vernetzen,“ erläutert DI Michael Strebl, Geschäftsführer der Salzburg Netz GmbH. Es geht um Effizienzsteigerung, intelligente Vernetzung und Digitalisierung der Energieversorgung.

Modellgemeinde vor weiterem Quantensprung

Nun steht die vielbeachtete Modellregion bereits vor dem nächsten Quantensprung: Mit Köstendorf 3.0 wird am 23. Oktober ein neuer Meilenstein gesetzt. Die aktuellen Innovationen sorgen für ein noch effizienteres und nachhaltigeres Zusammenspiel bei optimaler Energiespeicherung. Weht nämlich der Wind oder scheint die Sonne, entsteht plötzlich viel elektrische Energie – doch diese ist bisher in größeren Mengen eigentlich nicht speicherbar. In Köstendorf wird jedoch eine Methode entwickelt, um die produzierte Energie ideal regional zu transferieren - vom Sommer in den Winter, vom Tag in die Nacht, von der Photovoltaik-Anlage in bleibende Wärme. So werden Ressourcen optimal genützt.

Köstendorf 3.0 setzt somit auf Stromspeicherung nicht nur in Form von Strom, sondern auch in Form von Gas und Wärme. Mit Power-to-heat und Power-to-gas entsteht das Hybridnetz auf regionaler Ebene.

Netzbetreiber als Plattform-Provider

Die Kunden sind ein wesentlicher Teil der Energiewende, im Vordergrund stehen nach wie vor Versorgungssicherheit, Komfort und Kostenvorteile. Neu hinzu kommt der Wunsch nach Selbstbestimmung und aktiver Gestaltung. Herausforderungen, die die Salzburg Netz GmbH aufgreift. Sie hat daraus ein konkretes Projekt gemacht: Der Netzbetreiber der Zukunft managt nicht nur Stromnetze sondern auch einen Daten Hub – er wird zum Digital Grid Operator, der eine für Dritte offene Datenplattform anbietet. Ziel der Plattform ist es, originäre und energierelevante Informationen aufzubereiten und diese unseren Kunden zur Verfügung zu stellen. „Der Netzbetreiber wird zum Plattform-Provider. Neben den Energienetzen betreibt er auch eine Plattform, die es unseren Kunden ermöglicht, die Energiewende aktiv mitzugestalten, es entsteht ein neuer digitaler Kommunikationskanal zwischen Netzbetreiber und Kunden“, erläutert Strebl.

Für den Kunden bedeutet das Vorteile: neue Dienstleistungen und zusätzliche Informationen über seinen Energieverbrauch wie z. B. mehr Vergleichbarkeit sowie eine mögliche direkte Interaktion mit anderen Kunden.

Digitalisierung verändert nicht nur die Dinge, die wir bisher getan haben sondern auch die Herangehensweise wie wir die Dinge künftig tun. Der Kunde und seine Bedürfnisse stehen dabei im Mittelpunkt!

Internationalisierung & neue Geschäfts- und Tarifmodelle

Die Smart Grids Modellregion Projektpartner haben einstimmig beschlossen, auf Weiterentwicklung zu setzen! Es gelang mit ihren Projekten eine hohe nationale und internationale Sichtbarkeit und Anerkennung zu erreichen. „Immer wieder werden unsere Experten eingeladen, über die Modellregion zu berichten. Zahlreiche Delegationen besuchten uns und machten sich selbst ein Bild dieser innovativen Projekte“, erläutert Strebl.

Zur Entwicklung neuer Geschäfts- und Netz-Tarifmodelle müssen aber auch einige Voraussetzungen geschaffen werden, wie z. B. die Adaptierung des regulatorischen Rahmens oder die Neugestaltung des Tarifmodells. Nur so können die Kunden in Zukunft wesentlich dazu beitragen, die vorhandenen Ressourcen bestmöglich zu nutzen.

„In Österreich haben wir hier aufgrund einer vorausschauenden Innovationspolitik und des Engagements des bmvit auch auf internationaler Ebene ausgezeichnete Voraussetzungen. Insbesondere freue ich mich in diesem Zusammenhang, dass Michael Hübner vom bmvit im letzten Monat zum stellvertretenden Vorsitzenden des Internationalen Smart Grids Action Networks (ISGAN) der internationalen Energieagentur der OECD gewählt wurde. Ich denke, das zeigt deutlich, dass es gelungen ist, in diesem Themenfeld in Österreich weltweit beachtete Kompetenz aufzubauen. In Verbindung mit der Koordination des europäischen Programmnetzwerks "ERA-Net Smart Grids Plus" nimmt das bmvit damit eine Schlüsselrolle in der internationalen Zusammenarbeit ein und schafft ein hervorragendes Umfeld zur internationalen Einbindung österreichischer Industrie und Forschung,“ erklärt Strebl.

Smart Grids Modellregion Salzburg

Die Smart Grids Modellregion Salzburg wird von der Salzburg AG, Siemens und Salzburg Wohnbau getragen und von Forschungspartnern (Austrian Institute of Technology, Josef-Ressel-Zentrum) unterstützt.

Ziel ist es, unterschiedliche Smart Grids Anwendungen und neue Produkte sowie Geschäftsmodelle – von der intelligenten Netzregelung bis zur aktiven Einbindung der Kunden – in einem integrierten Gesamtsystem darzustellen.  

Gesprächspartner: DI Mag. Michael Strebl, Geschäftsführer Salzburg Netz GmbH.

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